Gedenken am Mahnmal Wenzelnberg

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Es ist ein sonniger Morgen, das junge Grün spriesst aus dem Waldboden, der blaue Himmel strahlt durch die noch wenig belaubten Baumkronen. Aber der Blick geht an diesem Sonntagmorgen zurück. Zurück zum 13. April 1945, an dem vor 66 Jahren in der Schlucht am Wenzelnberg 71 Häftlinge von der Gestapo hingerichtet wurden, wenige Tage vor der Befreiung durch die Alliierten.

Schüler der Klasse 9a des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums Leverkusen tragen ihre Gedanken vor – wie haben sich wohl die Häftlinge aus dem Zuchthaus Lüttringhausen gefühlt, die zur sogenannten „Sicherheitsüberprüfung“ abgeführt wurden und doch geahnt haben, dass es ihr Todesurteil sein würde? Wie lässt sich die Frage nach dem „Warum ich?“ aushalten, wo es eigentlich 600 Widerständler hätten sein sollen, die die Nazibürokratie zur Vernichtung vorgesehen hatte?

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Das Schicksal des Einzelnen ließ das Ausmaß der Menschenverachtung im dritten Reich erst konkret werden und führte den zum Gedenken Versammelten eindringlich die Notwendigkeit des Erinnerns vor Augen. Leverkusens Bürgermeisterin Eva Lux plädierte für eine „wache Zukunft“, um den Wert der Menschenrechte fortlaufend zu garantieren und gemeinsam an folgende Generationen weiter zu geben. „Man muss die Freiheit schätzen lernen, um sie zu verteidigen“, so die SPD-Politikerin. Für die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes sprach außerdem Gunhild Böth, Mitglied der Linken und Vizepräsidentin des Landtags NRW, was vor allem in der Solinger CDU wegen ihrer umstrittenen Äußerungen zur DDR auf Widerspruch stiess (ST berichtete). Böth setzt ebenfalls ihre Hoffnung in die Jugend: „Das Interesse an der Auseinandersetzung mit der Geschichte ist da, wir müssen es unbedingt fördern“, so ihr Appell. Ein Eindruck, den auch Ursel Ullmann teilt: „Es kommen zunehmend mehr junge Leute.“ Für die Solingerin, die sich unter anderem bei SOS Rassismus engagiert, ist der Gang zum Wenzelnberg seit vielen Jahren eine Selbstverständlichkeit. Musikalisch wurde die Gedenkfeier durch das Blasorchester der Jugendmusikschule Leverkusen mit Werken von Johann Sebastian Bach begleitet.

Text + Foto: Daniela Tobias, Erinnern für eine „wache Zukunft“, Solinger Tageblatt vom 11. April 2011