Frühling im Beet
21. April 2010 | Keine Kommentare
Am Neuen Markt balanciert ein Mädchen über die Einfassungen der Beete, aus denen kunterbunte Stiefmütterchen und Narzissen sprießen. “Pass auf, dass Du nicht in die Blumen fällst!” mahnt die Mutter, und schnell springt das Mädchen zurück auf den Weg, der ja schließlich nicht umsonst Fußgänger-Zone heißt.
Sie ist aber wohl nicht die einzige, die zur Zeit beim Anblick der farbenfrohen Frühjahrsblüher ein Bullerbü-Gefühl überkommt.
Rita Lemaitre, die als Floristin bei “Flower Power” an der Dieker Straße arbeitet, kennt das: “Sobald die Sonne rauskommt, wollen die Leute etwas pflanzen.” Manche sind dabei so ungeduldig, dass sie auch empfindliche Sorten schon aussetzen, die es gleich beim nächsten Frost wieder hinwegrafft. “Es gibt Pflanzen, die sich wieder erholen. Bei Geranien sollte man aber auf jeden Fall die Eisheiligen abwarten”, rät die Fachfrau. Die Primeln als erste Frühlingsboten haben ihre Blütezeit inzwischen schon hinter sich, jetzt drängen Stiefmütterchen und Bellis ans Licht.
Die finden sich auch in vielen städtischen Beeten neben den gelb leuchtenden Narzissen. Dirk Heilke, Gärtnermeister beim Betriebshof der Stadt Haan, versucht mit seinen Kollegen jedes Jahr ein bißchen Abwechslung in die Arrangements zu bringen. “Der finanzielle Spielraum für die Gestaltung großflächiger Farbwirkungen ist leider begrenzt”, bedauert Heilke, aber mit ein bißchen Erfindergeist lasse sich auch mit einfachen Mitteln etwas erreichen. Dass die Gemeinde sich wie die Nachbarstadt Solingen jemals genötigt sehen könnte, als Sparmaßnahme über eine Veräußerung ihrer öffentlichen Grünflächen nachzudenken, kann er sich nicht vorstellen. “Da verpflichtet der Name – Haan nennt sich schließlich Gartenstadt.” Das Grünpflege-Team vom Betriebshof am Ellscheid hat inzwischen die Frühjahrsbepflanzung abgeschlossen, im Mai geht es dann mit den Sommerblumen weiter. Nach dem harten Winter war auch die Herrichtung der Parkanlagen ein gutes Stück Arbeit. “Gleichzeitig kommt bei den ersten Sonnenstrahlen sofort das Unkraut wieder zum Vorschein”, beschreibt Dirk Heilke die für ihn turbulente Frühlingszeit.
Mit der Vorsilbe Un- ist Beate Wolfermann von der AG Natur + Umwelt hingegen vorsichtig, denn heimische Kräuter und Wildpflanzen funktionieren in einem komplexen Umweltsystem: “Osterglocken werden vielleicht noch von Bienen angeflogen, aber zum Beispiel nicht von Schmetterlingen.” Die bunten Falter freuen sich viel mehr über Brennesseln oder Knoblauchsrauke am Wegesrand. Aus dem innerstädtischen Bereich sind diese Gewächse jedoch nahezu komplett verschwunden. “Das widerspricht dem ästhetischen Empfinden vieler Mitbürger”, bedauert Wolfermann, die sich mehr Mut zur Vielfalt wünscht. Unauffälliger als Zuchtgewächse, aber keineswegs farblos ist das, was die heimische Natur an Blütenpflanzen zu bieten hat: Scharbockskraut, Veilchen, Löwenzahn, weiße und rote Lichtnelken oder Klatschmohn gilt es hier zu entdecken – mitsamt den Lebewesen die darin herumkrabbeln, flattern und summen.
(Beobachtungen vom 14.04.2010 für den Haaner Treff, Fotos + Text: Daniela Tobias)
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