Botanischer Garten

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Sonntag, 14 Uhr im Botanischen Garten beginnt für Ingeborg Meuter-Reckermann die heisse Zeit am Eisstand. „Wo bleibt die Kasse mit dem Wechselgeld?“ ruft die 85-jährige gut gelaunt, während sich schon die ersten Besucher über die Truhe beugen. Zusammen mit Hannelore Nitsche (71) wird sie nun 4 Stunden in der Sonne neben dem Kiosk ausharren und den Besuchern der grünen Oase am Vogelsang süße Abkühlungen verkaufen. Der Erlös geht an die Stiftung Botanischer Garten und dient dem Erhalt des denkmalgeschützten Parks.

Die beiden Damen haben sich Aufgaben gesucht, die sie auch bei eingeschränkter körperlicher Beweglichkeit noch gut bewältigen können: „Ich bin für die Personaleinteilung von Kiosk und Küche zuständig und Frau Meuter-Reckermann gestaltet unsere Drucksachen am PC“, erklärt Nitsche. Gerhard Beckermann „schafft“ mit seinen 84 Jahren dagegen noch wie ein Jungspund: „Ich bin Maurer von Beruf und mache hier alles, was mit Pflastern und Zement zu tun hat. Außerdem baue ich die Zelte für Veranstaltungen auf“, erzählt der Rentner mit einem bescheidenen Lächeln.

Ohne die emsigen Ehrenamtler wäre das Solinger Kleinod mit seinen Beeten und Schauhäusern schon längst Geschichte.

Als Margret und Hans Werner Hammen 2005 hörten, dass die Stadt Solingen auch die Pflege der Bromelien abgeben wollte, haben sie sich gleich gemeldet. „Wir sind Mitglieder der Bromeliengesellschaft und wussten, dass es sonst in Solingen keine ausgewiesenen Experten gibt“, so die 78-jährige. 4 Mal pro Woche arbeitet das Ehepaar seither in „seinen“ 4 Mal 25 Metern Beet. Sie hoffen, dass die Schauhäuser bald wieder für die Öffentlichkeit frei gegeben werden. „Es ist etwas Tolles, wenn man den Kindern zeigen kann, wie echte Bananen am Baum wachsen. Und die schmecken auch viel besser als im Supermarkt“, begeistert sich Margret Hammen.

Das Steckenpferd von Baldur Bert (78) und Michael Rübenthal (58) sind die Orchideen. Für den ehemaligen Metzger und den IT-Fachmann ist die Beschäftigung mit den exotischen Blütenpflanzen schon seit langem ein „Ausgleichssport“ zum Berufsleben gewesen. In den Gewächshäusern des Botanischen Gartens konnten sie ihr Hobby noch weiter ausbreiten. „Man wird schon in gewissem Sinne süchtig“, schmunzelt Rübenthal, der wegen seiner Berufstätigkeit nur sonntags nach seinen Schützlingen schauen kann. Die nehmen das jedoch nicht übel: „Orchideen sind Hungerkünstler.“

Sie lassen den Botanischen Garten blühen, Solinger Tageblatt vom 13.08.2013